SSV MARKRANSTÄDT

NAME: SSV Markranstädt
SPORTART: Fußball
GEGRÜNDET: 29.03.1912 (1990 – Umbenennung des Gesamtvereins in SSV Markranstädt)
WEBSITE: www.ssv-markranstaedt.de
MOTTO: Der dynamische Fußballverein aus der Sportstadt am See
STORY: Geschichte, Leidenschaft und 330 aktive Mitglieder – das ist der SSV. Von den „Bambinis“ bis zur I. Mannschaft: Das Rezept zum Erfolg ist eine nachhaltige Ausbildung.

Krauß und Krauß – eine Leipziger Fußballstory

Veröffentlicht am: 25.01.2017

Gestatten, Holger Krauß, Familienvater, ehemaliger Fußballer und seit vier Jahren Cheftrainer vom SSV Markranstädt. Großgeworden ist der Sohn von Ex-Fußballer und Ex-Trainer Roland Krauß in einem zehngeschossigen Plattenbau in der Nähe des Clara-Zetkin-Parks, mit 16 zog es den gebürtigen Leipziger in die große Fußball-Welt. Der junge Bursche spielte für Bayer Leverkusen, wohnte anfangs in einer Zweier-WG mit Putzfrau, absolvierte im Werk eine dreijährige Ausbildung zum Bürokaufmann und jettete mit der Jugendnationalmannschaft nach Abu Dhabi, Tokio und San Francisco. „Das war eine geile Zeit. Wir waren viel mit dem Flieger unterwegs. Eigentlich wollte ich in Köln bleiben, hab‘ dort den Karneval erlebt…“, schmunzelt der heute 40-Jährige.

Blau-Gelb unter Liese – Tee in der Luise

Und dennoch kehrte der Libero in seine Heimatstadt zurück und spielte anschließend für den FC Sachsen Leipzig in der 3. Liga. Nach vier Jahren zog er das grün-weiße Trikot aus und pendelte täglich auf den Bundesstraßen nach Zwickau, wo er drei Jahre lang für den FSV auf dem Rasen stand. Nächste Station war der Hallesche FC, allerdings bereiste Krauß  das Nachbarbundesland diesmal per Fahrgemeinschaft. „Meine emotionalste und beste Zeit hatte ich allerdings bei Lok Leipzig unter Rainer Lisiewicz, auch Liese genannt“, erzählt Krauß. Als „Lokscher“ stand der Mann jeden Tag in der Öffentlichkeit. Es verging kein Tag, wo die Mannschaft nicht in der hiesigen Tagespresse präsent war. Damals wurde Krauß auf der Straße erkannt, heute kann der Ex-Fußballer ganz ungestört seinen Pfefferminztee im Szene-Café Luise in der Gottschedstraße trinken. „Lieber wäre mir allerdings Kaffee, den vertrage ich aber nicht so gut“, verrät der Sonnenanbeter. Die Zeit für Reisen in die Sonne ist aber immer knapp.

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Ob mit Tee oder Telefon – Holger Krauß‘ Leben ist untrennbar mit dem Fußball verbunden; damals wie heute.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Mit seiner Partnerin ist Holger Krauß seit 18 Jahren liiert, Sohn Tom ist 15 und spielt bei RB Leipzig in der U17 sowie in der Nationalmannschaft. Der Junior ist bereits Stammspieler in seinem Team, strebt natürlich eine Karriere als Profi an. Für kurze Wege ins Trainingszentrum am Cottaweg und in die Sport-Oberschule zog die ganze Familie vor einem Jahr von Leipzig-Leutzsch in die Innenstadt. „Wirtschaftlich gesehen ist RB der größte Schatz für Leipzig. Das Nachwuchskonzept ist toll, ich fühle meinen Sohn da sehr gut aufgehoben“, so der Senior. Schule sei trotz allem wichtig – nach dem Abschluss der 10. Klasse soll das Fachabitur angestrebt werden. „Wie letztendlich alles wird, hängt von einigen Faktoren ab: Gesundheit, Glück mit Trainer und Verein. Momentan hat Tom ein gutes Standing bei RB, mal schauen wie es weitergeht“, gibt sich der Vater optimistisch.

Das Sprichwort „Wie der Vater, so der Sohn“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Kraußsche Familien-Dynastie. „Schon mein Großvater Fritz war Fußballer bei Wacker Leipzig bis 1948, und auch mein Vater Roland, der mit 63 Jahren verstarb, spielte in der DDR-Oberliga und wurde 1966 Junioren-Europameister im Finale gegen England“, erzählt Holger. Der frühe Tod des Vaters im Jahr 2010, verletzungsbedingte Rückenschmerzen und die Fürsorge für die Mutter ließen den ehrgeizigen Sportsmann die Fußballschuhe an den Nagel hängen.

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Holger Krauß mit Sohnemann und U17-Nationalspieler Tom sowie der 1. Mannschaft vom SSV Markranstädt

Doppelfunktion beim SSV Markranstädt

Schon während seiner Zeit bei Lok Leipzig, von 2006 bis 2009, arbeitete Krauß auch als Kundenbetreuer und Objektleiter einer Gebäude-Reinigungsfirma. Mit insgesamt 60 Objekten und 80 Mitarbeitern war das ein anspruchsvoller und anstrengender Job für den gelernten Bürokaufmann.  Das runde Leder ließ ihn aber nicht los: Er coachte die Jugend beim FC Sachsen und Co-Trainer war Harald Buchholz – sein allererster Trainer bei der BSG Chemie. Und als der SSV Markranstädt in Schwierigkeiten steckte, kam eine Ansage vom damaligen Schatzmeister Holger Nussbaum: „Du  machst das jetzt!“ Krauß übernahm 2012 die Geschäftsstelle des Fußballvereins und wurde Cheftrainer der ersten Mannschaft. Das tägliche operative Geschäft, früher im Dreiergespann mit Heiko Weber und Michael Unverricht, ist jetzt sein alleiniges Ding. Und der Kampf um Sponsoren ohne Nussbaum nicht machbar, wie Krauß unterstreicht. Für seine Jungs in der 5. Liga geht es am 18. Februar 2017 in die Rückrunde. Erster Heimspielgegner ist die Mannschaft von Chemie Leipzig. Da wird es wohl mal wieder etwas voller im Stadion am Bad. „800 bis 1.000 Zuschauer könnten die Ränge füllen. Es werden allerdings viele Chemiker anreisen“, weiß Krauß. Seine Arbeit mit den „jungen Kerlen“ hält ihn frisch, er sieht Entwicklungen, die ihn motivieren, weiterzumachen. Zumindest bis Ende Juni, dann läuft sein Vertrag beim SSV Markranstädt aus. Und vielleicht sieht man Krauß auch in der nächsten Saison „auf dem Platz“.

Das UR-KROSITZER-ALPHABET – von Holger Krauß über Holger Krauß

*U-we Ferl, Ex-Fußballspieler und Trainer.

*R-eisen. Leider viel zu selten.

*K-affee bekommt mir nicht.

*R-adfahren. Nehme ich mir für den Sommer vor.

*O-hne meine Familie geht nichts.

*S-traßenfußballer. Das war aller Anfang.

*T-om, mein Sohn.

*I-ch bin 40.

*T-anzen war früher meine Stärke. In der Disko habe ich meine Frau kennengelernt.

*Z-eche für Tee und Kaffee für die Redakteurin zahle heute ich J

*E-mil und die Detektive habe ich als Kind gelesen und mag es noch immer.

*R-umpelstilzchen aus dem „Spuk unterm Riesenrad“ habe ich zum Weihnachtsfest als DVD gekauft.