WAHRE HELDEN GESCHICHTEN

WIR HOPFEN

Einer der wichtigsten Bestandteile unseres feinherben Pilsners ist in diesen Tagen wieder besonders gefragt. Und bereit zur Ernte: Der Hopfen. Ob auf den großen Anbauflächen in Mitteldeutschland oder im Süden der Republik – je nach Sorte wird ab Mitte September die Ernte eingebracht. Im kleinen Stil auch direkt bei uns im hauseigenen Hopfengarten der Brauerei. Hier wächst alles „bio“ – und läuft im Maßstab „en miniature“ ab. Natürlich wird der hier kultivierte Hopfen nicht zum Brauen unseres Ur-Krostitzers verwendet; die Menge wäre schlicht zu wenig. Aber auch in unserem Schaugarten durchläuft der Kulturhopfen, Sorte Magnum, alle Stadien wie auch in den großen Anbaugebieten – nur mit dem Unterschied, das hier per Hand geerntet wird statt mit der Maschine. Und dass die Menge gerade einmal zum Brauen einiger Kästen Ur-Krostitzer Bier reichen würde…

Der Hopfengarten der Ur-Krostitzer Brauerei – und sein stiller Wächter, König Hopfi der 1.

GRÜNE DAUMEN

„Der kultivierte Hopfen ist eine Pflanze, die immer umsorgt werden will“, weiß Gertrude Stier, die sich für die Ur-Krostitzer Brauerei um den Hopfengarten kümmert – zusammen mit König Hopfi dem 1., dem brauereieigenem Mähroboter. „Zum richtigen Wachstum ist viel Arbeit über mehrere Monate nötig.“ Im Hopfengarten der Brauerei stehen 530 Pflanzen, die auf eine Höhe von 3,80 Meter wachsen. Und die jetzt 14 Jahre alt sind. Bei einer Lebensdauer von etwa 50 Jahren also in ihrer besten Zeit. „Den hauseigenen Hopfengarten gibt es seit 2002. Ich kenne die Setzlinge sozusagen von ihrer Pflanzung an.”

Per Hand zur Ernte: Gertrude Stier schneidet die Ranken an einer Höhe von 3,80 Meter ab wenn die Pflückreife der Dolden erreicht ist.

ALLES DREHT SICH

Jedes Jahr im Frühjahr startet das Wachstum: Aus einem Wurzelstock kommen etwa 30 bis 40 Triebe. Die 3 stärksten werden dann um einen Draht gewickelt und können so in die Länge wachsen. “Der Hopfen ist eine schnellwachsende Kletterpflanze, die sich immer im Uhrzeigersinn nach oben rankt”, berichtet Gertrude Stier. Das ist genetisch bedingt, die genauen Ursachen dafür sind aber tatsächlich noch ungeklärt. Möglicherweise bereitet sich der Hopfen so schon auf die Drehrichtung im Gärkessel vor. Nach dem Längenwachstum folgt dann die Blüte. Erst dann kommt die Bildung der Dolde, die in mehreren Phasen verläuft und mit der Pflückreife abgeschlossen ist. So wie jetzt im Frühherbst.

Der Hopfen wächst im Uhrzeigersinn. Jeweils 3 Ranken steigen an einem Draht in die Höhe – und bilden vor allem im oberen Teil die Dolden aus.

GELERNT IST GELERNT

Sicher, in der Produktion des feinherben Ur-Krostitzers kommt die geballte Kraft des Hopfenextrakts zum Einsatz. Das sorgt für die gleichbleibend hohe Qualität und den typischen Geschmack. Aber das Ausgangsmaterial aus dem Hopfengarten ist wie beim Extrakt natürlich die Dolde mit ihren Inhaltsstoffen. Und mit der kennt sich Brauer Lars Renneberg bestens aus. “Die verwertbaren Bestandteile des Hopfens sind das Hopfenöl sowie das Harz”, berichtet der Diplom-Brauer begeistert. “Daneben sind aber natürlich auch Rohfasern, Eiweiße und mineralische Bestandteile enthalten.” Eine besondere Mischung also. “Beim Würzkochen, also unserer Bierherstellung, gehen die Ausgangsstoffe dann die gewünschten Verbindungen ein – und sorgen so auch für den feinherben Geschmack.” Den gilt es im Brauprozess dann außerdem mit den natürlichen Schwankungen des Naturproduktes Hopfen konstant zu halten. “Hier arbeiten wir auch eng mit dem Labor zusammen, denn die genaue Analyse der Ausgangsstoffe sorgt am Ende auch für das richtige Ergebnis – und das typische Produkt.”

Einfach Magnum: Das Wertvolle des Hopfens steckt im Inneren. Die Harze und Öle enthalten auch die typischen Hopfensäuren.

Beim Zerreiben in der Hand entfaltet sich das typische Aroma. Die Sorte Magnum ist harzig,kräuterig und fruchtig – mit Nuancen von Pinie.


FRÜH ÜBT SICH

Der Hopfengarten ist eine Huldigung des natürlichen Ausgangsmaterials unseres Ur-Krostitzers, ein Show-Room der besonderen Art. Eine Pilgerstätte für alles Fans des Feinherben. Und auch ein Ort der Lehre: Das weiß auch Romy Guth, Auszubildende im 1. Lehrjahr und bereits jetzt schon mit dem Hopfen verheiratet. “Ich rotiere gerade im 3-Wochen-Rhythmus: Jetzt im Sudhaus, dann in die Schule, danach in den Gärkeller.” So werden alles Stationen des Brauens abgelaufen und nach und nach wiederholt – und so der routinierte Umgang mit den Aufgaben gelernt. “Denn auf selbständiges Arbeiten kommt es an. Und wo geht das besser, als so nah am Produkt und seinen Rohstoffen?!” Wissen zum Anfassen und Erleben sozusagen.

Auszubildende Romy Guth in ihrem Metier. Neben Sudhaus, Gärkeller und Theorie bietet der Hopfengarten Wissen zum Anfassen.


URSPRUNG: UNBEKANNT, NOTE: FEINHERB

Aber woher kommt der Hopfen eigentlich? Oft hört man von der Region des alten Ägypten um 2000 vor Christus. Belegt ist das allerdings nicht. Sicher ist aber, dass der Hopfen ein kühl gemäßigtes Klima bevorzugt. Und in der Hallertau zur Zeit der Völkerwanderung – also ab dem 4. Jh – erstmalig in Europa kultiviert wurde. Hopfenanbau seit der Spätantike also. Das hat sich offensichtlich bewährt – bis heute. Darauf lässt sich doch anstoßen!

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